Stadtbibliothek Elsdorf

Sammelsurium

Archiv für das Schlagwort “Roman”

Lesetipp im Juli

Liebe Leser,

in diesem Monat möchte ich euch „Trümmerkind“ von Mechthild Borrmann ganz besonders ans Herz legen. Das Buch ist allerdings keine leichte Kost. Dies nur zur Warnung.

Erzählt wird auf drei Zeitebenen:

Hanno findet an einem eiskalten Januartag 1947 auf der Suche nach Material, das sich auf dem Schwarzmarkt verkaufen lässt, eine nackte Frauenleiche in den Trümmern Hamburgs. Schön wie Marmor sieht sie aus. Gleichzeitig läuft seiner Schwester Wiebke, die vor dem Haus Schmiere steht ein kleiner Junge buchstäblich zu. Plötzlich ist er da, gut gekleidet und sprachlos. Die beiden Kinder nehmen den etwa Dreijährigen mit nach Hause. Er heißt von nun an Joost Dietz und bleibt bei der Familie.

Uckermark, April 1945. Clara Anquist führte ein schönes Leben auf einem Gutshof. Bis immer mehr Flüchtlingstrecks kommen und sich die Familie endlich entschließt, sich ebenfalls in Sicherheit zu bringen.

Köln, 1992: Anna Meerbaum beschließt, ohne Wissen ihrer Mutter, das ehemalige Familienanwesen in der Uckermarck zu besuchen. Dort trifft sie Menschen, die sich noch an ihre Mutter erinnern. Diese hatte sich ein Leben lang den Fragen ihrer Tochter nach ihrer Vergangenheit verweigert.

Wenn ihr jetzt glaubt, ihr  wisst, wo die Geschichte hinläuft, glaubt mir – ihr liegt garantiert falsch. Neugierig? Dann unbedingt selber lesen!

Das Buch gibt’s bei uns und in der Onleihe Erft zum Ausleihen.

Viele Grüße

Birgit Weber

Lesetipp im Juni

Liebe Leser,

Kennt ihr schon „Die Liebe in diesen Zeiten“ von  Chris Cleave? Ich habe den Roman gerade ausgelesen und finde ihn empfehlenswert.

Darum geht’s: Mary North, Tochter aus gutem Haus, lebt sorgenfrei in London bis im 2. Weltkrieg die ersten Bomben auf die Stadt fallen. Voller Enthusiasmus meldet sie sich freiwillig zum Kriegsdienst und soll Schulkinder in die Evakuierung begleiten. Hier fällt ihr der dunkelhäutige Zachary auf, der sich beim Lesen und Schreiben schwertut und es auch sonst nicht leicht hat. Durch ihre Lehrerinnentätigkeit lernt sie Tom kennen und über ihn schließlich Alistair, den es mit der Air Force nach Malta verschlägt.

Soweit die Rahmenhandlung – Krieg, schwierige Liebesbeziehung und der Kampf gegen soziale Ungerechtigkeiten. Klingt nicht neu, ist es auch nicht. Das Besondere an dem Buch ist jedoch die emotionale Tiefe, in die die Geschichte gräbt und den Leser mitten ins Herz trifft. Was passiert mit den Menschen, die den Luftschutzkeller verlassen und eine neue Welt betreten? Wie kann ein Soldat auf den heißen und staubigen Felsen von Malta Trost in einem Marmeladenglas finden? Wie war es wirklich, in England ein Kind mit dunkler Haut zu sein?

Das Buch wirft viele Fragen auf. Ihr sucht Antworten? Das Buch lesen ist ein erster Schritt.

Entleihbar in der Stadtbibliothek und in der Onleihe Erft.

Viele Grüße

Birgit Weber

P.S. Falls es euch interessiert, könnt ihr hier dem Autor zuhören, wie er zu seinem Buch inspiriert wurde.

Lesetipp im Mai

Liebe Leser,

hurra, der neue Roman von Rebecca Gablé, „Die fremde Königin„, ist gerade erschienen! Deshalb kommt der Buchtipp auch erst jetzt –  die 762 Seiten mussten erstmal gelesen werden. Natürlich hat es sich mal wieder gelohnt, 26,00 € gut investiertes Geld.

Das Thema Otto der Große interessierte mich zunächst nicht wirklich, aber bereits nach den ersten Zeilen war ich mittendrin in der Historie. So wie immer bei Rebecca Gablé – denn schreiben kann die Autorin wie kaum eine zweite. Der Sog der Geschichte war so stark, dass mir auch seitenlange Schilderungen von blutigen Schlachten zwischen Lothringern, Slawen, Obodriten, Ungarn, etc. nicht wirklich etwas ausgemacht haben, konnte ich doch immer weiter mitfiebern, was Gaidemar und seinen Panzerreitern an König Ottos Seite als Nächstes zustoßen würde. Und der Spannungsbogen hält bis zum Schluss, keine Chance zum Aufgeben!

In einem Interview mit der Kölnischen Rundschau verriet die Autorin selbst das Geheimnis ihres Erfolges, nämlich dass historischen Personen immer fiktive Charaktere an die Seite gestellt werden, mit denen sie uns hemmungslos hoffen, bangen, lieben und leiden lassen kann.

Genau so hat mich ihr neues Buch auch diesmal begeistert. Wer mehr über den Inhalt wissen möchte, kann der Autorin selbst zuhören:

Und wer jetzt richtig neugierig geworden ist,  kann „Die fremde Königin“  in Kürze in der Stadtbibliothek ausleihen.

Im Übrigen scheine ich bei weitem nicht der einzige Fan zu sein, denn Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste hat der Schmöker bereits erklommen!

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Birgit Weber

Lesetipp im Februar

Hallo da draußen,

diesen Monat möchte ich euch „Mauersegler“ von Christoph Poschenrieder ans Herz legen. Ein schmales Büchein, nur knapp über 200 Seiten. Aber die haben es in sich! Nicht nur für Menschen mit morbidem Charme, Todessehnsucht, und Opfer der Midlife-Crisis geeignet, sondern für alle, die Spaß an gut erzählten, originellen Geschichten haben und sich gerne an großem literarischem Ausdrucksvermögen erfreuen. Kostprobe gefällig?

„Er bekleckerte sich von der Kinnspitze bis zur Gürtelschnalle – o Gott, dachte ich, wir werden gar nicht älter, wir werden auf faltige Weise jünger.“ ( S. 32)

Der Roman ist zwar bereits 2015 erschienen, erregte aber erst kürzlich meine Aufmerksamkeit.

Darum geht es:

Fünf Freunde seit Kinderzeiten beschließen, nicht allein sondern gemeinsam in einer WG alt zu werden. Dazu erwerben sie ein großes Haus am See und lassen dort auch den eigentlich sechsten im Bunde, der unter ungeklärten Umständen bereits als Kind im See ertrank, mittels Umbettung bei sich einziehen. Wer hier schon die Nachtigal trapsen hört, liegt genau richtig, denn makaber geht es weiter. Die Fünf wollen ihren Tod nicht dem Zufall überlassen, sondern planen ihn im Voraus, um langes Siechtum zu vermeiden. Dazu entwickelt einer von ihnen, im Arbeitsleben gewesener Programmierer und Softwareentwickler, das „Todesengelprogramm“, welches genau festlegt, wer im Ernstfall wen ins Jenseits zu befördern hat. Mehr verrate ich hier nicht, sonst wäre der Spaß am Lesen verdorben!

Natürlich bei uns entleihbar…

Viel Spaß damit wünscht

Birgit Weber

 

Lesetipp im Januar

Hallo,

höchste Zeit für den Januar-Buchtipp! Für’s lange Warten gibt es dafür aber – in meinen Augen – einen echten Knaller zu empfehlen.lunapark

Volker Kutscher hat mit „Lunapark“ nicht nur seinen Kommissar Gereon Rath auf die Spurensuche in seinem sechsten Fall geschickt, sondern er nimmt auch die Leser wieder mit auf eine Zeitreise zu den Anfängen des Nationalsozialismus.

Reihentypisch ist, dass nicht nur ein Kriminalfall abgehandelt, sondern gleichzeitig erzählt wird, wie der Nationalsozialismus sich im Deutschland der späten 1920er/frühen 1930er Jahren immer weiter ausbreitete, wie Machtstrukturen aufgebaut und verhärtet wurden, wie das öffentliche Leben mehr und mehr durchsetzt wurde und sich der ideologische Strudel immer schneller und schneller drehte.

Die Ermittlung beginnt diesmal, weil ein SA-Mann tot aufgefunden wird. Er wurde aber nicht, wie zunächst vermutet, erschlagen, sondern erstickte an einem Glasauge in seiner Kehle. Kenner der Reihe hegen nun schon erste Vermutungen… Hinter dem Toten findet sich der unvollendete Schriftzug „Arbeiter wehrt euch! Tod den Hitlerfaschi…“ Mit der Spurensuche betraut wird erstmals nicht mehr nur das Kriminalkommissariat sondern auch die Geheime Staatspolizei, deren Vertreter den Mörder sofort im kommunistischen Umfeld vermuten…

Beim Lesen hatte ich ständig das beklemmende Gefühl, dass sich eine Schlinge immer fester zuzieht und die bekannten Protagonisten mehr und mehr in Bedrängnis geraten.

Wer sich für die Thematik interessiert, sollte das Buch unbedingt lesen, denn es ist nicht nur unglaublich spannend erzählt, sondern saugt den Leser förmlich ein in die Zeit und Schauplätze der Handlung. Für mich ein echtes 5-Sterne-Buch und in der Stadtbibliothek natürlich entleihbar!

Aufregendes Lesevergnügen wünscht auch in 2017

Birgit Weber

Lesetipp im November

Liebe Leser,

in diesem Monat möchte ich euch „Am Ende aller Zeiten“ von Adrian J. Walker empfehlen.

Der Titel trifft es genau – es geht tatsächlich um das Ende der Erde in ihrem jetzigen Zustand nach katastrophalen Asteroideneinschlägen. Eine klassische Dystropie eben.

Erzählt wird die Geschichte aus Sicht des Mittdreißigers Edgar Hill, unsportlich und antriebsarm, zweifacher Familienvater und so ziemlich mit allem unzufrieden. Aus seinem ereignislosen Alltag wird er durch eine erdumspannende Katastrophe abrupt herausgerissen und ist plötzlich tatsächlich verantwortlich für das Überleben seiner Familie. Durch einen unglücklichen Zufall werden er und seine Lieben aber getrennt. Wenn er sie wiedersehen will, muss Ed 500 Meilen unter großem Zeitdruck über die zerstörte britische Insel laufen. Was er dabei erlebt und wie es weitergeht, wird spannend erzählt und der Leser emotional nicht geschont.

Wer sich für solche Fantasien begeistern kann, sollte das Buch unbedingt lesen. Noch besser fand ich allerdings ein Jugendbuch mit ähnlicher Thematik, welches aber bereits 2006 erschienen ist: „Die Welt, wie wir sie kannten“ von Susan Beth Pfeffer. Beide Bücher sind bei uns ausleihbar.


Viel Spaß beim Novemberschmökern wünscht

Birgit Weber

Lesetipp im September

Liebe Leser,

diesen Monat möchte ich euch „Letzter Bus nach Coffeeville“ von J. Paul Henderson empfehlen.

Ein Roman mit einem durchweg positiven Grundton. Dabei wird eine durchaus ernste Geschichte erzählt:

Als Studenten waren Doc und Nancy ein Liebespaar. Sie hatte ihn ganz plötzlich verlassen, ihm jedoch vorher das Versprechen abgenommen, ihr das Schicksal ihrer Mutter zu ersparen, die an Alzheimer erkrankte – wenn es bei ihr soweit wäre, solle er ihr Sterbehilfe leisten.

Doc ist über 70, als der Anruf von Nancy tatsächlich kommt. Mithilfe seines alten Freundes Bob, einens Ex-CIA-Auftragskillers, seines Neffen Jack, Ex-Fernsehwetter- und gehörnter Ehemann und des Waisenjungen Eric, der auf der Suche nach seiner Cousine, einer wunderschönen Stripperin, ist, entführt er Nancy aus einem Altersheim. Diese liebenswerte Truppe macht sich in einem geklauten Tourbus der Beatles auf den Weg quer durch die USA nach Coffeeville. So skurril das klingt, so ist auch das Buch. Dabei aber herzerwärmend humorvoll und teilweise zum Brüllen komisch. Vor allem das Kapitel rund um eine Darmentleerung nach dem Genuss scharfen mexikanischen Essens auf einer Kirchentoilette mit guter Akustik…

Für die Nostalgiker unter euch gibt es in diesem literarischen Roadmovie ein Wiedersehen mit Walton’s Mountain und viele Rückblicke in die amerikanische Geschichte der 50er und 60er Jahre.

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Birgit Weber

Lesetipp im August

Liebe Leser,

Passend zur Urlaubszeit ist der Schauplatz des Romans Die Walfängerin“ von Ines Thorn die Insel Sylt. Mit dem heutigen Sylt hat die Geschichte jedoch rein gar nichts zu tun. Im 18. Jahrhundert war von Luxus und Müßiggang keine Spur und von Urlaub auch nichts zu spüren.

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Erzählt wird die Geschichte von Maren, einer stolzen und selbstbewussten jungen Frau, die schon früh weiß, was sie im Leben will: ihre große Liebe Thies heiraten, auch wenn dieser ihr außer einem hübschen Äußeren nicht viel zu bieten hat. Deshalb lehnt sie auch den Heiratsantrag des mächtigsten Mannes der Insel, Rune Boys, ab. Unbeirrt hält Maren auch dann noch an ihren Zukunftsplänen fest, als die Familie in große finanzielle Not gerät und Kapitän Boys ihr anbietet, auf seinem Walfänger anzuheuern und ihre Schulden zu tilgen. Maren lässt sich auf das große Abenteuer ein …

Mich hat die Geschichte echt gepackt und es gab viel zu lernen über die Lebensbedingungen der Menschen an der Nordsee und was es bedeutet, mit reiner Muskelkraft den Kampf mit einem Wal aufzunehmen. Wen das auch interessiert, sollte das Buch unbedingt lesen – es ist auch ganz viel Liebe drin! Ihr könnt es bei uns oder in der Onleihe Erft ausleihen.

Viel Spaß beim Schmökern wünscht

Birgit Weber

Lesetipp im Juli

Liebe Leser,

diesmal gibt es ein echtes Sommerferien-Buch voller Nostalgie:

KlüpfelKobrMeerVolker Klüpfel und Michael Kobr sind ja eigentlich bekannt für die Kluftinger-Krimis, doch mit „In der ersten Reihe sieht man Meer“ wagen sie sich an ein anderes Genre. Die Story ist schnell umrissen: Alexander, ein erfolgreicher Werbemanager, wacht eines Morgens auf und ist wieder ein pickeliger 15-Jähriger, der mit seinen Eltern, seiner Schwester und seiner Oma in den Familienurlaub an der italienischen Adria fährt. Und katapultiert damit den Leser in die 80er Jahre zurück. Hier vermischen sich seine Kindheitserinnerungen mit seinem Gegenwartswissen. Dies sorgt für heftige Turbulenzen und so manchen Angriff auf die Lachmuskeln der Leser. Bei uns könnt ihr das Buch und das Hörbuch (gelesen von Bastian Pastewka, bestimmt auch gut aber von mir nicht getestet) ausleihen.

Wer einmal zwei Stunden non-stop heftig lachen möchte, sollte zusehen, dass er die beiden Autoren einmal live erlebt. Ich habe mich dabei jedenfalls köstlich amüsiert!

KlüpfelKobrLesung

Viel Spaß beim Lesen und Verreisen wünscht

Birgit Weber

Top-Ausleiher

Liebe Leser,

hurra, endlich ist es mir gelungen, einen unserer meistausgeliehenen Romane selbst zu ergattern! Vielleicht fragt ihr euch jetzt, wie das denn sein kann, wo ich als Bibliotheksmitarbeiterin und dann auch noch Lektorin für unsere Romane doch eigentlich an der Quelle sitze?

Das kam so: Im letzten Jahr las ich im Beprechungsdienst eine Empfehlung für „Elche im Apfelbaum“ von Linnea Holmström und fand, dass sich der Inhalt vielversprechend anhörte. Also habe ich es eingekauft, es wurde eingearbeitet und bei unseren Neuerwerbungen ausgestellt. Tja und dann ging es los – eine Ausleihe nach der anderen. Das Buch war ständig ausgeliehen und plötzlich auch dauernd vorbestellt. Und es kletterte in unseren Top 20 stetig Richtung Spitze.

Das Buch ist wirklich nett – eine etwas vorhersehbare Liebesgeschichte vor typisch schwedischer Kulisse. Besonders daran sind die eingestreuten Backrezepte. Alles, was euch vielleicht in anderen schwedischen Büchern kulinarisch begegnet ist, könnt ihr jetzt auch nachbacken. Ich werde auf jeden Fall etwas ausprobieren!

Kennt ihr auch so ein Buch, das euch vielleicht von vielen Menschen ganz unabhängig von einander empfohlen wird?

Birgit Weber

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