Stadtbibliothek Elsdorf

Sammelsurium

Lesetipp im Dezember

Liebe Leser!

Heute ist der Tag der heiligen Barbara. Sicher kennen Sie den Brauch, heute Kirschzweige ins Wasser zu stellen. Weihnachten werden diese dann blühen!

Vielleicht denken Sie beim Anblick dieses Buches auch an blühende Kirschbäume:

Ich musste  sofort an Japan denken und dies scheint vom Verlag so beabsichtigt zu sein, denn erzählt werden die Geschichten japanischer Einwanderinnen im Amerika des frühen 20. Jahrhunderts.

Es ist ein ganz besonderes Buch, dass sich durch eine ungewöhnliche Erzählweise auszeichnet. Es handelt von einer Gruppe junger Frauen, die Anfang des 20. Jahrhunderts die weite Reise über den Pazifik wagen, um in Amerika mit ihnen unbekannten japanischen Einwanderern eine Ehe einzugehen. Wir erfahren von den Schicksalen all dieser Mädchen gleichzeitig, denn in lakonischem Stil scheint die Autorin eigentlich keinen Roman zu erzählen,  sondern nur aneinanderzureihen, was sie zu einzelnen Lebensbereichen sagen möchte:

„Wir gebaren unter Eichen, im Sommer, bei fünfundvierzig Grad Hitze. Wir gebaren in Einzimmerhütten neben Holzöfen. In den kältesten Nächten des Jahres. Wir gebaren auf windigen Inseln im Delta, sechs Monate nach unserer Ankunft, und die Babys waren winzig und durchsichtig, und drei Tage später starben sie. Wir gebaren neun Monate nach unserer Ankunft, perfekte Babys mit vollem schwarzem Haar. Wir gebaren in staubigen Camps in den Weinbergen von Elk Grove und Florin. Wir gebaren auf entlegenen Farmen im Imperial Valley, nur mit Hilfe unserer Männer, die aus dem Hausfrauen-ABC wussten, was sie zu tun hatten…“ (Otsuka, Julie: Wovon wir träumten“, mare-Verl., S. 71)

Wenn man gut aufpasst, schafft man es, am Ende das Schicksal einzelner nachzuvollziehen. Dies ist aber eigentlich nicht wichtig, denn das Gelesene berührt in der Gesamtheit.

Bitte lesen Sie dieses Buch selbst. Lassen Sie sich von der Sprache mitreißen. Mich will es gar nicht loslassen…

Birgit Weber

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2 Gedanken zu „Lesetipp im Dezember

  1. Rebecca Jansen sagte am :

    Ja, den Brauch mit den Kirschbäumen kenne ich auch.
    Bei uns wurde aber auch an Barbara ein blank geputzter Schuh auf die Fußmatte gestellt. War der Schuh nicht ordentlich geputzt fand sich ein Stück Kohle darin.

    Neugierig wie ich bin habe ich dann mal gesucht und bin im Ökumenischen Heiligenlexikon (http://www.heiligenlexikon.de/BiographienB/Barbara.htm) fündig geworden.
    Unter anderem steht dort: „Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Barbara-Tag vor allem im Rheinland zum Tag der Geschenke; am Vorabend stellten sie einen Schuh auf, der dann mit Schokolade, Gebäck, Äpfeln und anderen Naschereien gefüllt war. Mit diesem Geschenktag, der bis in die 1960er Jahre vor allem im Köln-Bonner Raum und am Niederrhein bekannt war, begann die weihnachtliche Geschenke-Zeit, die mit dem Nikolaus eine Steigerung und dem Heiligen Abend ihren Höhepunkt erreichte.“
    „Der Tag von Barbara war ab 1969 wie andere Gedenktage von rein legendarischen Gestalten nicht mehr im Festkalender der katholischen Kirche aufgeführt, wurde aber 1972 wegen ihrer verbreiteten Verehrung in den Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet und 2001 wieder ins Martyrologium Romanum aufgenommen.“

    Und? Haben Sie früher auch immer schön geputzt, oder war auch schon mal ein Stück Kohle dabei?

    Eigentlich ist es schade, dass die modernen Kinderstiefel kaum noch geputzt werden können. Ich denke meine Tochter hätte unglaublich Spaß mit mir im Flur auf einem Kissen zu sitzen, Schuhcreme auf allem zu verteilen und das Poliertuch zu schwingen. Meist wurden bei dieser Aktion alle Stiefel und Schuhe rausgeholt und gewienert. Oft wurde das ganze dann anschließend mit Kakao und Keksen versüßt.

    Ich wünsche ein fröhliches Schuheputzen
    Ihre Rebecca Jansen

  2. Birgit Weber sagte am :

    Noch ein Gedanke…
    Man sieht doch, wie sich im Laufe der Zeit die Bräuche ändern und anpassen. Das Schuheputzen fand bei uns immer vor Nikolaus statt.

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